Yunga, die Zeit und ich


  • Yunga begleitet mich nun schon einige Jahre durchs Leben und genauso begleite ich sie. Viele Höhen und Tiefen haben wir gemeinsam erlebt, schwierige Tage überstanden und unzählige schöne zusammen geniessen können. Am 1. August ist Yunga zwölf Jahre alt geworden. Manche von euch werden sich vielleicht noch an unsere Krebserkrankung erinnern, die 2016 begann und dank Operation, Bestrahlungstherapie und allen mir möglichen Unterstützungen letztendlich ein gutes Ende nahm.


    Seither sind einige Jahre - Yunga‘s halbes Leben - vergangen und ich würde sagen, sie hatte vorwiegend schöne, gute und gesunde Zeiten. Mal eine Zahn-Operation, die Entfernung eines Tumors an der Schulter der störte, manchmal steife Beine wegen der Arthrose (dafür bekam sie dann Librela seit diesem Frühjahr - bis es leider nicht mehr lieferbar war), aber nebst diesen Dingen blieb haufenweise Lebensfreude, Zeit, Spaziergänge, ein Urlaub am Meer, schwimmen, spielen, leckeres Essen, sonnenbaden, schnüffeln, dösen… und hoffentlich alles was das Yungaherz glücklich macht.


    Ein paar Tage vor ihrem Geburtstag fing Yunga aber an zu lahmen. Das rechte Hinterbein schien ihr stark weh zu tun. Ich gab ihr Onsior, das ich auf Reserve habe für sie, und schonte. Doch es wurde nicht wirklich besser. Also gingen wir zum Tierarzt, die Hüfte und das Knie wurden geröntgt, Bewegungsproben, Reflexe geprüft… ergab aber keinen Befund ausser altersgemässer Abnutzung und der bereits bekannten Arthrose. Also gab es neue Schmerzmittel, diesmal Rimadyl. Und es wurde besser, für eine gute Woche - und dann wieder schlechter.


    Also sind wir nochmals zum Tierarzt. Jetzt bekommt sie Rimadyl und zusätzlich Gabapentin seit gestern Abend. 1 3/4 Rimadyl (100mg Kautabletten) morgens, 4 Gabapentin 100mg Kapseln) morgens und 4 abends. Dazu CBD Öl seit Anfang (1000mg) 8 Tropfen abends. Und Synoquin EFA als Futterzusatz.

    Dazu absoluter Schongang - also nur zum Lösen in den Garten für zwei weitere Wochen.

    Dazu wurde mir angeraten ein MRT machen zu lassen, um die Ursache der Lahmheit feststellen zu können.


    Und ich mache mir abertausende Gedanken.

    Yunga schläft fast nur noch. Essen mag sie mal so mal so, an manchen Tagen kaum, an anderen soweit gut. Sie legt sich gerne an kühle oder weiche Plätze, immer abwechslungweise. Sie trinkt, geht Pipi, macht Häufchen. Und geht wieder schlafen. Manchmal lässt sie sich gerne streicheln oder mag es wenn ich einfach nahe bei ihr bin, manchmal möchte sie ihre Ruhe. (Das ist aber nicht so ungewöhnlich, sie war diesbezüglich immer sehr klar.)


    Und ich frage mich - ist es schon Zeit?

    Muss sie das aushalten, wird es denn wieder besser oder tue ich ihr etwas an, was ich ihr auch ersparen könnte? Sind es die Medikamente die sie so müde und zurückgezogen machen - oder ist es mehr als das? Könnte ein weiterer Tumor irgendwo gewachsen sein der nun das auslöst? Ist es nur die Arthrose und sie braucht einfach Zeit bis der Schub abklingt?


    Wisst ihr, ich habe seit dem Krebs jeden Tag von Yunga’s Leben als Geschenk betrachtet, habe mein Bestes gegeben mein ganzes Leben so zu gestalten das es für Yunga am schönsten und angenehmsten ist. Sie muss schon lange (fast) nichts mehr was sie nicht mag und darf so ziemlich alles was sie gerne mag. Ausser andere Hunde vermöbeln. :upside_down_face:  

    Ich möchte nicht, das sie am Ende nochmals so kämpfen muss wie damals beim Krebs. Ich lasse sie lieber früher los anstatt sie nochmals operieren zu lassen oder unzählige Male zum Tierarzt zu gehen. Das mag sie nämlich nicht.


    So - ich habe vorerst fertig mein Herz ausgeschüttet. Danke an alle, die sich die Zeit für‘s Lesen genommen haben und auch Danke im Voraus an alle, die uns mit ihren Erfahrungen, ihrem Wissen, ihrer Kritik, ihren Ideen und ihren Daumen beistehen.

  • Ja, ich erinnere mich gut an Arvid. Es tut mir so Leid und ich verstehe gut, das du nicht viel schreiben kannst. ♥️


    Das Versprechen gilt. Auch wenn es noch so schwer ist. Aber die Entscheidung, wann es denn nun richtig ist, ob ich übereilte Entscheidungen treffe oder die Realität nicht wahrhaben will… das weiss ich gerade einfach nicht.

  • Ich kann dazu nichts sagen aber die Daumen für Yunga drücken kann ich und tue es von Herzen gern.

    Ein treuer Hund ein schnelles Pferd sind mehr als 1000 Weiber wert.

  • Ich kann auch nicht viel beitragen außen extrem nachzufühlen in welcher Situation du gerade bist. Wir haben es ja auch gerade erst hinter uns.


    Zum Gabapentin allerdings: Ich musste es selber eine Zeitlang einnehmen und ich war die erste Tage in einem Dauerdämmerzustand. Es hat echt lange gedauert bis der Körper sich wenigstens halbwegs daran gewöhnt hatte.

    Geblieben unter der Therapie war eine verlangsamte Reaktionsfähigkeit was auch letztendlich dazu geführt hat dass ich das Mittel abgesetzt habe denn eine Berufsausübung war so zumindest in meinem Bereich meiner Meinung nach nicht möglich.


    Geholfen hat es aber definitiv, auch wenn der langsame Wirkungseintritt etwas gedauert hat. Ich habe gerade mal in meine Notizen von damals geschaut - etwa 3 Wochen bis zur vollen Wirkung.


    Ich drücke die Daumen dass euch noch etwas Zeit bleibt.

    „Das Leben von Hunden ist zu kurz. Das ist eigentlich ihr einziger Fehler“ (Agnes Turnbull)


  • Deine Foxi ♥️ :downcast_face_with_sweat:

    Mein herzliches Beileid an dich & Tito…


    Ich habe gerade das Gefühl eine ganze Generation Hundefreunde ist über die Regenbogenbrücke gegangen. Bin so traurig.


    Ja, ich habe auch gelesen das Gabapentin am Anfang diese Wirkung hat. Vielleicht muss ich mich in Geduld üben und dem Medikament eine Chance geben. Es steht gerade die ganze Welt auf dem Kopf. Keine Spaziergänge mehr mit Yunga, die haben sonst immer den Tagesrhythmus vorgegeben. Kein Spielen, kein Kekse suchen. Ihr beim Atmen zusehen und hoffen. Es ist schwer.


    Und ob ich das MRT machen soll - das weiss ich auch noch nicht. Narkose und Tierspital… ich muss noch Klarheit gewinnen.

  • Und ich frage mich - ist es schon Zeit?

    Das kann dir natürlich keiner hier sagen.


    Aber du kannst dich fragen, was sie noch vom Leben hat, ausser eben ein paar Tage oder Wochen mehr.


    Ob die Müdigkeit von der Krankheit oder den Medis kommt ist doch egal, sie ist halt da.


    Leicht ist es für keine HH, wichtig ist, dass du weisst, dass du die Verantwortung für den Hund hast.

  • Unser Sam bekam im Alter von 12 Jahren ein Prostatakarzinom. Ein Jahr lebte er noch damit. Wir gingen noch kleine Schnüffelrunden,er hatte Appetit und über kurze Spielzeiten freute er sich auch noch.

    Aber es wurde weniger. Er schlief viel,ging nur noch zum Lösen raus und zog sich immer mehr zurück. In seiner letzten Woche lag er nur noch im Garten ,fraß wenig und wäre auch bei Regen nicht ins Haus gekommen. Sam wollte nicht mehr und wir ließen ihn gehen.


    Es schmerzt immer noch sehr.

  • Unser Sam bekam im Alter von 12 Jahren ein Prostatakarzinom. Ein Jahr lebte er noch damit. Wir gingen noch kleine Schnüffelrunden,er hatte Appetit und über kurze Spielzeiten freute er sich auch noch.

    Aber es wurde weniger. Er schlief viel,ging nur noch zum Lösen raus und zog sich immer mehr zurück. In seiner letzten Woche lag er nur noch im Garten ,fraß wenig und wäre auch bei Regen nicht ins Haus gekommen. Sam wollte nicht mehr und wir ließen ihn gehen.


    Es schmerzt immer noch sehr.

    Mein herzliches Beileid wegen deinem Sam ♥️ Das ist ein sehr schönes Foto von ihm!


    Das die Runden kleiner werden, der Hund mehr schläft und alles ruhiger wird, das gehört zum alt werden dazu und das ist auch in Ordnung so. Solange der Hund das Leben noch geniessen kann. Es klingt so als hätte Sam das gekonnt und ihr ihn im richtigen Moment gehen lassen habt.

  • Alt werden ist leider nichts für Feiglinge.

    Du kennst deinen Hund am besten. Wenn Yunga keine Tierärzte mag, noch eine Narkose nötig wäre um ein MRT durchzuführen, würde ich darüber nachdenken es zu lassen.

    Genieß die Zeit.

    Falls das eine Option ist, für etwaige Beschwerden, würde ich Schmerzmittel geben. Und irgendwann geht es nicht mehr.

    Einfach einen schmerzbefreiten Lebensabend.


    Solange sie kann und will, und nicht leidet, würde ich sie nebenher leben lassen. So wie sie eben kann.

  • Ich schaue jetzt Mal ob diese Schmerzmittel in Kombination anschlagen. Solange sie gut und bequem schlafen kann, trinkt, Pipi und Häufchen macht, etwas essen mag, sich freut wenn sie mich sieht und kein Fieber hat… lasse ich ihr noch etwas Zeit.

  • Ich habe hier ja auch so einen Opa sitzen.

    Er schläft auch viel und eben auch recht tief, was aber sicher auch an seiner Schwerhörigkeit liegt. Die Hinterbeine spielen auch nicht mehr so richtig im Takt und die alten Knochen autschen auch immer mal mehr mal weniger. Er bekommt Schmerzmittel und was zur Unterstützung der Nieren, weil die auch etwas hakt. Und hier und da kämpft er auch mal kurz. Das haben wir inzwischen aber ganz gut im Griff und es passiert nur selten (KLOPFAUFHOLZ).


    Trotz all der Wehwehchen nimmt er aber noch immer interessiert am Leben teil. Es wird unterwegs geschnüffelt bis zum abwinken, Hündinnen werden noch immer hofiert, der ein oder andere Hund wird angepöpelt und gerade waren wir wieder am Wasser und er wollte nicht heim.


    Ich bin mir sicher, ich werde merken, wenn es für ihn nicht mehr geht. Man kennt sein Tier ja gut. Ich habe Angst vor dem Tag, an dem ich mich der Entscheidung stellen muss, aber das wird mich nicht hindern in seinem Sinne zu handeln.


    Wenn es soweit ist, wirst du das ganz sicher auch wissen.

    Wie sinnvoll ein MRT ist kann dir hier sicher keiner sagen.

    Ich würde nur überlegen was mir die Erkenntnis bringt.

    Würdest du noch eine OP machen?

    Wüsstest du nur woran du bist?

    Hätte das Einfluss auf die Behandlung?


    Ich wünsche euch jedenfalls noch eine möglichst lange, gemeinsame und gute Zeit.

    Und es ist toll, dass ihr den Kampf gegen den Krebs gewonnen habt und sie dadurch so viele Jahre geschenkt bekommen hat. 🍀

    "Man kann in Tiere nichts hineinprügeln, aber man kann manches aus ihnen herausstreicheln."

    (Astrid Lindgren)

  • Habt ihr schon Librela und Gelenkspritzen (Hyaluron oder Arthramide) versucht? Das würde zumindest bei Arthrose einfallen und hat einigen Hunden wieder auf die Beine geholfen. Genau das wünsche ich der tollen Maus auch!

  • Vielen lieben Dank für deinen Beitrag ♥️


    Das hier und da mal was ziept, alles ein wenig langsamer wird und das Leben gemütlicher, das hat sich bei uns auch schon so eingeschlichen in den letzten Jahren. Ich habe Yunga aber stets als sehr interessiert an allem und trotz ihrer grundsätzlichen Ruhe als sehr lebendig wahrgenommen. Sie hat ihren Willen immer klar geäussert und sich gerne auch verbal mitgeteilt. Jetzt ist sie gerade einfach wirklich krank und ich mache mir all diese Gedanken.


    Eine OP würde ich nicht mehr machen, nein. Wenn ich die Ursache wüsste könnte ich besser behandeln - denn ich wüsste ja WAS ich genau behandeln muss. Und wäre es, im schlimmsten Falle, wieder Krebs, könnte ich ihr früh genug mehr Leid ersparen.


    Vielen Dank für deine lieben Wünsche und auch dir und deinem Opa wünsche ich noch viele schöne gemeinsame Tage ♥️


    Habt ihr schon Librela und Gelenkspritzen (Hyaluron oder Arthramide) versucht? Das würde zumindest bei Arthrose einfallen und hat einigen Hunden wieder auf die Beine geholfen. Genau das wünsche ich der tollen Maus auch!


    Yunga hatte Librela - bis es nicht mehr lieferbar war. Das es da noch andere Alternativen gibt wusste ich nicjt - werde mal meine Tierärztin löchern!


    Vielen lieben Dank ♥️

    Edited once, last by Layaliina: Ein Beitrag von Layaliina mit diesem Beitrag zusammengefügt. ().

  • Ach Yunga.. könnte die Zeit doch einfach stehen bleiben. :frowning_face: Es tut mir leid, dass es ihr nicht gut geht.
    Wirklich etwas sagen kann ich nicht, ich weiß nur, dass Gabapentin wohl unglaublich müde macht.
    Ich kenne einen Hund der das bekommen hat, wegen unerklärlichen, starken Schmerzen und er hat mit dem Medikament auch nur noch geschlafen.

  • Ach Yunga.. könnte die Zeit doch einfach stehen bleiben. :frowning_face: Es tut mir leid, dass es ihr nicht gut geht.
    Wirklich etwas sagen kann ich nicht, ich weiß nur, dass Gabapentin wohl unglaublich müde macht.
    Ich kenne einen Hund der das bekommen hat, wegen unerklärlichen, starken Schmerzen und er hat mit dem Medikament auch nur noch geschlafen.

    Ja das wäre schön… aber das alles vergänglich ist macht ja das Leben irgendwie aus.

    Ich hoffe noch auf Besserung und werde im Rahmen der Vernunft und nach bestem Wissen in Yunga’s Sinn handeln. Jetzt muss ich jeden Tag einzeln so nehmen wie er kommt.

  • Jetzt weiß ich wieder, wer du bist. Und na klar habe ich damals auch mitgefiebert. Ich finde es sehr erfreulich zu lesen, dass Yunga so viele schöne Jahre nach der damaligen Diagnose hatte.

    Und jetzt ist es natürlich für dich mehr als schwer. Ich bin da auch jedes Mal hin und her gerissen. Auf der einen Seite ist es gut, dass wir Menschen entscheiden können, wann unsere Hunde gehen dürfen. Auf der anderen Seite ist diese Entscheidung so was von schwierig. Ich wünsch dir und Yunga auf jeden Fall noch eine schöne gemeinsame Zeit.

    Ich habe hier übrigens mit Emma auch eine Hündin, die Tierärzte einfach nur schrecklich findet. Sie ist nun 9, wird im Januar 10 und ist noch fit und munter. Aber manchmal denke ich an diese Entscheidung, die ich irgendwann (hoffentlich erst in vielen vielen Jahren) wieder treffen muss. Ich glaube, ich würde wie du denken und sie im Alter nicht operieren o.ä. zu lassen.

  • Ach Mensch, mir wird immer ganz flau im Magen, wenn einer von euch über den richtigen Zeitpunkt zum Gehenlassen grübelt. Irgendwann, in hoffentlich vielen Jahren, wird es bei mir auch das erste Mal soweit sein und ich habe jetzt schon große Angst davor.


    Ich drücke euch fest die Daumen, dass wirklich die neue Medikation Yunga schlapp macht und ihr noch eine lange gute gemeinsame Zeit habt.


    Ich erinnere mich gut an deinen Thread über Yungas Krebserkrankung im Polar. Und die riesige Freude, als der Krebs nicht mehr nachweisbar war.


    Du kennst sie so gut, du wirst wissen, wenn es soweit ist. Da bin ich ganz sicher.

    Ich brauche diese Impfung dringend! Mein Hund und ich hatten aus Versehen Zungenkontakt.     

    (Milhouse van Houten)

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