(K)ein Plädoyer für den "Auslandshund"?

  • Freude und Leid mit Problemhunden: Von der Straße ins Herz der Familie
    Tierschützer retten sie vor der Verwahrlosung oder sogar vor dem sicheren Tod - doch ihr Trauma bleibt: Jedes Jahr werden zahlreiche vorbelastete Hunde an…
    bnn.de


    Es gibt Hundehalter, die sich oftmals blind für einen Auslandshund aus tierschützerisch (?) tätigen Internet Portalen entscheiden, ohne sich so richtig darüber zu informieren, ob sie sich mit ihrer Wahl nicht überfordern. Sicher hat die Situation in der Pandemie diese Entwicklung auch noch befördert.

    Und? Werden die Vorstellungen wahr? Hat man einen neuen Freund gewonnen? Ist das Leben mit einem aus seinem traurigen Dasein geretteten Hund so bereichernd, wie man sich das vorstellt?

    Leider wohl nicht. Viele Hunde werden zur Belastung, die von der Realität ernüchterten Halter möchten ihre Fellnase wieder loswerden.

    Die Tierheime winken vielerorts ab - keine Kapazitäten mehr.

    Und dann? Wie endet die oftmals idealisierte "Hunderettung"?


    Hier im Forum haben wir etliche Beispiele für ein gelungenes Miteinander von Halter und Strassenhund.

    Das sind sehr schöne und mutmachende Beispiele - leider aber nicht die Regel.


    Es wäre mMn mehr als nur informativ für Hundehalter, sich mit dem oben verlinkten Artikel kritisch auseinander zu setzen.

    Zudem wäre es schön, wenn wir hier Erfahrungen mit dem Thema "Strassenhunde" allgemein und im Besonderen sammeln könnten.

  • Mein Wunsch wäre, dass hier konkrete Erfahrungen geschildert werden.

    Dass Fragen erwähnt werden, die man sich vllt. früher stellen hätte müssen,

    vermeidbare Fehler genannt werden usw.

    Auf der anderen Seite sollen auch positive Aspekte (den konkreten Hund betreffend) benannt werden - es geht mir nicht darum, den Strassenhund an sich schlecht zu machen.

  • Ich habe zwar Hunde aus dem Tierschutz, aber die kleinen Schwarzen sind in Deutschland in unguten Verhältnissen geboren und kamen wohl mit 7 Wochen zu der Orga, die sonst spanische Hunde rettet.


    Der neue Hund wäre von den Azoren gekommen. Mir war es aber wichtig, dass er wenigstens eine Weile in Deutschland auf einer Pflegestelle gelebt hat, wo man mir sagen könnte, welche Baustellen er vermutlich hat.


    Ich habe zwar die letzten drei Hunde vor der Übernahme nicht selbst gekannt, aber es gab jemanden, der mir etwas über den jeweiligen Hund erzählen konnte. Wobei Kissy bei uns völlig anders war als bei der Züchterin mit drei weiteren Zuchthündinnen.

    Carlos war genau wie beschrieben. Nur über das Ausmass seiner Dickschädeligkeit war ich dann doch verwundert und bin es noch. Aber ansonsten ist er unkompliziert, wenn man ihn kennt und damit umgeht.


    Ich würde nicht am Transporter oder am Flughafen abholen wollen.



    Ich denke, ein grosses Problem bei nicht nur neuen Haltern ist oft, dass sie eine bestimmte Vorstellung von dem haben, wie der Hund sein soll. Und was sie erwarten in möglichst naher Zukunft. Und was sie anerziehen wollen.

    Und das versuchen, zu erzwingen.

    Aber wir sind nicht bei Pygmalion.

  • Eine Nachbarin von uns hat direkt ein Buch drüber geschrieben…:

    https://www.amazon.de/Chaos-Mut-Hundekekse-bulgarisches-durcheinanderbrachte/dp/3757889444/


    Das soll jetzt keine Leseempfehlung sein… :speak_no_evil_monkey: aber der wohl dauerhafte Ist-Zustand ist: nach jahrelangen Bemühungen sind die Ängste ihrer Hündin zwar handhabbar -aber halt mit Anpassungen im Alltag. Und wenn es dunkel ist, bleibt die kleine zu Hause und sie zieht mit dem Ersthund allein um die Häuser.

  • Hm,geht es hier um Auslandshund, Tierschutzhund oder Straßenhund?

    Was ich zumindest bei den Spanischen "windigen" immer wieder mitbekomme, ist ihre enorme und oft sehr schnelle Anpassung an ein für sie völlig fremdes Leben.

    Ängste können dennoch oft sehr lange, oder gar für immer, bestehen bleiben.

  • Ein komplexes Thema, daß sehr differenziert betrachtet werden muss. Und noch immer eines der lesenswertesten Bücher grundsätzlich zu "Parias" ist Blochs Pizzahunde.


    so weit

    Maico

    Konfuzius sagt: "Wenn alle Stricke reißen, bist du zu schwer."

  • Diese Woche erst habe ich dazu was im TV (oder war das Internet 🤔) gesehen.

    Da hat eine tierheim Leiterin darüber gesprochen und davor gewarnt Hunde nur vom Foto aus dem Tierschutz aufzunehmen. Man wusste einfach nicht was man am Ende wirklich für einen Hund bekommt und ob man zusammen passt. Diese Hunde landen dann vom tierheim im Ausland im Tierheim in Deutschland. Und es gibt wohl auch in Deutschland Hunde, die eingeschläfert werden weil sie einfach nicht vermittelbar sind.

    Das war mir so nicht bekannt.


    Das Ganze war aber kein Film gegen Hunde aus dem Tierschutz/Ausland.

    Der Rat war aber nur Hunde zu nehmen, die bereits in Deutschland sind. Da kann man sich wenigstens zunächst mal einen ersten Eindruck machen und im schlimmsten Fall landet der Hund wieder da wo man ihn geholt hat.

    Oder... Es ist vertraglich festgelegt, dass der Hund wieder an die Tierschutzorga zurück kann. Das machen gute Tierschutzorgas wohl auch.

    Erinnerungen sind kleine Sterne,

    die tröstend in das Dunkel unserer Trauer leuchten.

                                            (Antoine de Saint-Exupéry)

  • Taro war nie ein Straßenhund. der kam als Welpe ins Tierheim in Griechenland und war dann nach Deutschland vermittelt. Mit einem Jahr kam er zurück an die Orga und war 2 Monate auf einer Pflegestelle. Meine zwei wichtigsten Kriterien, bleibt alleine und kommt mit Katzen klar (und ist der tollste Hund der Welt :grinning_face: ), hat er erfüllt. Ich habe mir damals 3 Hunde von der Orga hier angeschaut, er war der dritte und er war es einfach.

    Vorher war ich 5 Jahre lang Gassi-Gänger im örtlichen Tierheim und bin da auf keinen passenden Kandidaten gestoßen.

  • Rumsi war ein echter Straßenhund - auch entsprechend gezeichnet. Und ja, er war auch der größte Dickschädel aller Zeiten. Würde ich so einen Hund als Anfängerhund empfehlen? Nein. Aber für alle anderen: Da lernt man was. Von den anderen Rumsen (Tuuli, Minyok und Annu) hat nur Minyok wohl einige Zeit auf der Straße gelebt. Aber er war deutlich jünger als Rumsi und hatte weniger traumatisches erlebt.

    Tuulikki und Annukka kamen beide ja eher "gut behütet" auf die Welt und hatten von der Straße selbst nichts erlebt.


    so weit

    Maico

    Konfuzius sagt: "Wenn alle Stricke reißen, bist du zu schwer."

  • Wir haben gute Verbindungen in zwei Tierheime und 3Tierschutzorgas.

    2x Pflegestelle für sie(fürs TH,fürdieOrganisation öfter), Spock blieb (obwohl er als der Katastrophen DSH beschrieben war).


    Tomte kam aus Südspanien,er erfüllte die eine Bedingung, frisst niemand.

    Er wurde über Monate auf einem Grundstück allein gelassen.

    Er war so ein Engel, körperlich eingeschränkt.


    Jule kam mit 14 Wochen aus Griechenland, speziell aber ein Schätzchen.


    Generell ist wohl das Problem, nach Optik entscheiden ,ein Thema.

  • Danke für eure Schilderungen.

    Ich glaube, es spricht auch nichts dagegen, Tierschutz Organisationen namentlich zu empfehlen oder eben auch nicht.

    Ich stelle mir halt vor, dass Leute, die in Erwägung ziehen, einen Hund aus dem Auslandstierschutz zu sich nehmen zu wollen, durchaus nach Anregungen/Erfahrungen in Hundeforen suchen.


    Hm,geht es hier um Auslandshund, Tierschutzhund oder Straßenhund?

    Es geht um Tierschutzhunde, die aus dem Ausland kommen.

    Oft genug wird ja in Hundeforen empfohlen (wenn icht sogar gefordert), auf keinen Fall Züchter zu unterstützen, sondern den Tierschutz, der (Strassen)hunde aus dem Ausland vermittelt.

    Wobei der Begriff Strassenhund nicht für alle zutrifft, das ist schon richtig.

    Auf alle Fälle dürfte es sich in den meisten Fällen um mehr oder minder traumatisierte Tiere handeln, die für einen künftigen - und hoffentlich auch einigermaßen sachkundigen!) Halter - besondere Herausforderungen darstellen.

  • Wirklich ein sehr komplexes Thema, wo auch jeder für sich beantworten muss, was er will und worauf er achten möchte.


    Unsere beiden Hunde (Jerry und jetzt Lali) waren beide aus hiesigen Tierheimen, aber ursprünglich aus dem Ausland (Frankreich und Ungarn).

    Ich (und besonders mein Mann) wollten die Hunde immer selbst in natura kennenlernen. Bei Lali waren wir tatsächlich 5/6 mal im Tierheim und haben jeweils immer ein bis zwei Stunden mit ihm verbracht (Spaziergang, auf einer Wiese gesessen, ansatzweise gespielt), um ihn etwas kennenzulernen. Das hat zwar ein erstes Kennenlernen sicherlich gebracht, aber so richtig lernt man den Hund natürlich erst im ersten halben bis ganzen Jahr kennen. Zumindest haben wir so auch sein Rückwärtsniesen kennengelernt, was sich dann im Laufe der Zeit bei uns fast ganz gelegt hat. Zudem wurde durch unsere Nachfragen (und Feststellung, dass keine Hoden da waren ;-)) der an sich nicht kastrierte Lali dann nochmal untersucht und doch als kastriert befunden (Hormonspiegel) ...


    Ich persönlich hätte Bedenken und einen Heidenrespekt, einen Hund quasi per Bild im Internet bei einer Tierorganisation zu "bestellen". Andererseits habe ich schon viele tolle Geschichten gehört, wo das super geklappt hat. Ich bewundere vor allem auch die Menschen, die bewusst alte und/oder kranke Hunde oder Problemhunde welcher Art auch immer auf diese Weise zu sich nehmen. Da besteht zwar einerseit auch weniger die Gefahr, dass solche Hunde extra für das Ausland "produziert" wurden, andererseits hat man manchmal nur noch eine sehr begrenzte Zeit und eventuell auch ziemliche Kosten bei solchen Hunden.


    Falls man sich per Internet einen Hund aussuchen sollte, würde ich immer empfehlen, die Erfahrungswerte der einzelnen Orgas gründlichst zu studieren, bevor man sich entscheidet.

    Gut abgerichtet kann der Mensch der beste Freund eines Hundes sein.

    Edited 2 times, last by karlotte ().

  • Ich persönlich hätte Bedenken und einen Heidenrespekt, einen Hund quasi per Bild im Internet bei einer Tierorganisation zu "bestellen".


    Da lob ich mir wirklich BrunoPet. Kurze, knappe und zutreffende Beschreibungen:


    Minyok

    Minyok-Rüde-1564 - Freundeskreis Brunopet - Tierschutz in Rumänien


    Tuuli

    Svenja-Hündin-593 - Freundeskreis Brunopet - Tierschutz in Rumänien


    Das A-Tier


    so weit

    Maico

    Konfuzius sagt: "Wenn alle Stricke reißen, bist du zu schwer."

  • Ich könnte mir vorstellen, dass unser nächster Hund ein Tierschutzhund wird. Ob Ausland oder nicht - keine Ahnung. Erstmal soll Lynnko ein biblisches Alter erreichen!


    Beim ersten Hund haben wir auch im Tierschutz geschaut, aber nur in der Umgebung. In Niedersachsen sind aber zum allergrößten Teil „Problemhunde“, die schonmal gebissen haben und als gefährlich eingestuft wurden und „Listenhunde“ in den Tierheimen. Weil wir hier keine Rasseliste haben - da werden glaub ich einfach viele Tiere von Tierheimen aus andern Bundesländern hierher weitergegeben, weil sie hier wenigstens ne Chance haben.


    Das hätten wir uns aber erstens nicht zugetraut und zweitens - ganz ehrlich - die Bollerköppe sind nicht mein Ding. Ich wollte schon Wahnsinnig gerne was Nordisches/Asiatisches oder einen Mix davon. Passt tatsächlich auch charakterlich sehr gut zu uns.


    Für die Zukunft: Keine Ahnung - ich könnte mir jetzt auch undefinierbare Mixe, Hauptsache nicht so riesig, vorstellen oder auch was windiges. Ich bin heute viel offener, aber fühle mich auch nicht mehr so unsicher. Und habe ja nun auch über das Forum ein Netzwerken Leuten, die wirklich Ahnung und Erfahrung haben bestimmte Organisationen empfehlen können.


    Was ich weiß: Mit eher unsicheren ängstlichen Hunden kann ich umgehen. Nicht mit wirklich krassen Angsthunden, aber mit den unsicheren, schüchternen, die viel Geduld und Routinen brauchen. Dafür haben wir auch das passende Umfeld und Lebensstil. „Arbeitshunde“ die gerne in irgendwelchen Vereinen beschäftigt werden möchten, wären nicht so mein Ding. Aber das wird sich alles irgendwie ergeben. Irgendwann. In ganz ganz ferner Zukunft.

    Ich mach’ mir Sorgen über den Biernachschub. Nach diesem Kasten und den anderen ist nur noch ein Kasten übrig.

    (Homer Simpson)


  • Hmmm...was soll ich da schreiben ? :thinking_face:

    Vorbereitet - dachte ich , sind wir bestens . Haus in nahezu Alleinlage plus einegzäuntem Garten,sehr ruhiger Haushalt , Hundesitter plus Schwiemu , 3 Personen im Haus ,kann mit auf Arbeit genommen werden , die Bude 24 Std. besetzt , damals 26 Jahre Hundeerfahrung - plus einige Hunde die durch meine Hände gegangen sind ( schlechte Haltung daraus resultierende Ängstlichkeit oder Überdrehtheit , Tierschutzübernahme, Züchter, Überforderte Halter ) , Erfahrung in Mehrhundhaltung ( Lottchen ist die erste die alleine hier lebt ) , Spaß und Freude am Hund plus unendliche Geduld , genügend Geld um auch teure medizinische Behandlungen zu zahlen, vielfältige Erfahrung in der Pflege auch von kranken Hunden.

    Also eigentlich doch alles Bestens .

    Welche Einschränkung ( und was diese Einschränkung in der Realität wirklich bedeutet) habe ich mit "kriegen wir schon hin " nicht weiter bedacht..... :automobile: !! Wie essentiell die Fähigkeit zum Automitfahren ist weiß ich nun ausführlich.

    Was ich nun auch weiß - wie biegsam man in den vom Hund vorgegebenen Bedingungen sein kann !

    Würde ich nun also wieder einen Hund aus dem Auslandstierschutz nehmen ....JA :exclamation_mark: - auf jeden Fall und auch einen aus dem deutschen Tierschutz und auch einen vom Züchter.

    Hauptsache es fährt Auto , es kann alleinebleiben ( hat hier 2 Jahre gedauert - und ist immernoch bei stundenweise) , es akzeptiert noch andere "Götter" neben mir. Blöderweise sind das alles Eigenschaften die man nicht voraussagen oder garantieren kann und zudem auch noch veränderlich sind. Fazit : Die Lotti ist der letzte Hund hier.

    Einfach "blind" bestellen - Niemals . Ich muss den Hund sehen und fühlen bevor sich die Haustür hinter mir und dem Hund schließt mit "jetzt isser da".

    ....und sobald du die Antwort gefunden hast ,ändert das Leben die Frage.

  • Schön, dass hier durch die individuellen Berichte mal die Infos gebündelt werden, die ich mir als Detailinformationen aus einzelnen Threads zusammengetragen habe.


    Ich muß gestehen, dass ich bei diesem Thema überhaupt keine eigene Erfahrung habe und sich daher meine Vorstellung davon, wie so ein "Hundeerwerb" vor sich geht, ziemlich verwaschen und klischeebeladen gestaltet.


    Wäre ich in der Lage, mir einen TS aus dem Ausland zulegen zu wollen, wie wäre das Vorgehen?

    Welche Informationen würde ich wie und wo erfragen und auch zuverlässig bekommen können?

    Wer kann zuverlässige TS Orgas empfehlen? (danke mikesch0815 !)

    Wer kann mitteilen, welche Kriterien bei einer guten Orga unverzichtbar sind?

    Welche Fragen muss man stellen?


    In meiner Vorstellung spukt immer die Idee von Hunden herum, die mit einer mehr oder weniger realistischen Bescheibung aus dem großen und unübersichtlichen "Internet Katalog" bestellt werden.

    Die werden dann in einen Transporter gesteckt und über weite Strecken mehr schlecht als recht oft unter dubiosen Umständen in ihre Bestimmungsländer gebracht. Und dann an den Besteller oder bestenfalls das in den Prozess eingebundene Tierheim übergeben.


    Trifft dieses Bild zu?

    Oder ist alles ganz anders? Besser?

  • Bonni kam ja aus Bulgarien und bei meinem Kontakt mit der Orga hatte ich ein gutes Gefühl.


    Welche Seiten ich immer sofort wieder zugemacht habe, die meisten bei facebook.


    Beschreibung in Ich-Form.

    Braucht nur viel Liebe.

    Alles in Großbuchstaben.


    Ich möchte eine realistische Einschätzung, vielleicht mit Hintergrund wo der Hund herkommt. Also auf der Strasse gefunden, hatte schon mal einen Besitzer usw.

    Einigermaßen nette Bilder wären auch nett, dass ich mir schon mal eine Vorstellung machen kann.

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