Erfahrungen mit blindem Hund

  • Hallöchen,


    mich würde einmal interessieren, ob/welche Erfahrungen ihr mit einem blinden Hund gesammelt habt.


    War der Hund schon immer blind? War eine Krankheit im Laufe des Lebens die Ursache? Handelt es sich um einen Senioren, dessen Sehkraft einfach nachlässt?


    Wie habt ihr darauf reagiert? Wie hat der Hund reagiert, wenn es im Verlauf des Lebens passiert ist? Ängstlicher oder gar aggressiver? Hat sich das Verhalten irgendwann normalisiert?


    Benutzt ihr Hilfsmittel bei der "Erziehung" bzw. im täglichen Miteinander? Ich denke da zum Beispiel an ein Glöckchen draußen oder doch lieber an der langen Leine beim Spaziergang?!


    Wie reagieren fremde Hunde auf den blinden Hund? Es fällt ja ein Großteil "zwischenhundlicher" Kommunikation weg.


    Wie reagieren die eigenen Hunde im Haushalt auf den blinden Hund?



    Erzählt doch mal von euren Erfahrungen!

  • Hmm... Wannabe erblindete langsam im hohen Alter.

    Sie war aber auch bereits fast vollständig taub, inzwischen nicht mehr so mobil und bummelte nur noch gemütlich. In der Wohnung machte ihr die Erblindung kein Problem. Da kannte sie sich gut aus.

    Spatziergänge mutierten zu reinen Schnupperrunden und auch sonst lief die Beschäftigung viel über die Nase.

    Lupus nahm ohnehin Rücksicht, da sie einfach schon sehr alt war, und mit anderen Hunden hatte sie da kaum noch Kontakt.


    Ich denke aber, dass man das nicht mit jüngeren, mobileren Hunden vergleichen kann.

    Erinnerungen sind kleine Sterne,

    die tröstend in das Dunkel unserer Trauer leuchten.

                                            (Antoine de Saint-Exupéry)

  • Carlino sieht ja auch nicht mehr gut, ist aber nicht blind. Er bellt manchmal Menschen, Kinderwagen, Einkaufstaschen an, weil er sie offenbar für große Hunde hält, was ihm augenscheinlich Angst macht.

    Leider hört er auch nicht mehr, oder wenn nur sehr wenig, das scheint zu schwanken. Das finde ich persönlich eigentlich einschränkender. Dadurch kann ich ihn schlechter erreichen, als wenn es die Augen nicht mehr tun. Ich habe ihm immer viel erklärt. Auch, dass da gar zum Beispiel keine Hunde sind. Das fällt nun weg. Er ist schwieriger, ihm Sicherheit zu vermitteln.

  • Hatten eine blinde Zwergpudelhündin in der Mantrailing-Gruppe.

    War null Thema mit den Anderen Hunden oder im Alltag. Ist im Alter erblindet. SIe selbst war vorsichtig, aber sehr selbstbewusst, im Zweifelsfall gabs ihrerseits ne Ansage. Hatte eine enge Bindung zu Frauchen. Die 2 waren ein eingespieltes Team!


    Ich hatte bis 2019 öfter zur Urlaubsbetreuung einen blinden (seit Geburt) Mix-Rüden. Er und Khan haben sich auf Anhieb gut verstanden. Ein Ruhiger, souveräner Kerl, der sich immer an einen Menschen oder lieber an einen anderen Hund geklemmt hat um sich zu orientieren. Khan hat direkt gemerkt, dass der Andere eingeschränkt ist und hat viel mehr geduldet als er es sonst machen würde.

    Sam - so heißt er - ist sehr aufmerksam und gut auf Akustische Signale trainiert, genauso wie auf einige Taktile Signale mit der Leine am Geschirr. Gassi und Hundebegegnungen waren mit ihm null Thema.

    Wenn er verunsichert oder desorientiert ist (egal welche Situation) bellt er einmal kurz und laut. Dann bekommt er Hilfe von (s)einem Menschen oder vom andern Hund. Das ha tauch mit Khan direkt völlig selbstverständlich funktioniert. War sehr faszinierend und interessant zu beobachten.

    In der Wohnung hat Sam genau 1 Tag gebraucht um alles "abzuspeichern". Danach ist er nirgends mehr dagegengelaufen oder war desorientiert.

    Oft wird von Anderen Menschen gar nicht gemerkt, dass er blind ist.

  • Wie löst du das Problem? Ich könnte mir Kontakt vorstellen, ein streicheln über die Flanke oder ein kraulen hinter den Ohren. Je nachdem was ihn nicht erschreckt.

    Ehrlich gesagt, ich schaffe es nicht immer. Wenn er sich verguckt und verwechselt Kinderwagen mit großem Hund, kommt es auf die Entfernung an. Gerne nehme ich ihn zwischen meine Beine und halte seine Brust. Kommt der vermeintliche große Hund näher, bemerkt er ja seinen Irrtum. Kommt tatsächlich ein Hund, fühlt er sich dann auch geschützt. Früher habe ich ihm gesagt "da ist gar kein Hund" und er beruhigte sich gleich. Wenn er das nun aber nicht mehr hören kann, ist es doppelt schwer. Das schwierige ist auch, dass er Felina gleich mit verunsichert. Ich möchte ja nicht, dass sie diese Unsicherheit, die auf dem Nachlassen der Sinne basiert, mit lernt.

    Nicht leicht manchmal.

  • Sury sieht auch nicht mehr viel. Letzte Woche sprang sie einen 10 cm Bordstein runter als wäre der 50 cm hoch und hat sich natürlich voll auf die Schnauze gelegt. Arme Maus, ich konnte echt nicht so schnell reagieren. Sie war an dem Tag richtig gut drauf.. Treppen darf sie schon seit Monaten nicht mehr alleine bewältigen: Runter springt sie vier auf einmal und landet dann an der Wand. Und hoch zus hat sie keine Kraft mehr in den Hinterbeinen und rutscht dann auf dem Bauch etliche Stufen runter. Die meisten Tage kapiert sie dass ich sie rauf und runtertrage. Es gibt aber auch Tage an denen sie einfach lospoltert und 2 Stufen auf einmal hochhechtet. Sie steht dann freudestrahlend oben: " Mama ich habs geschafft!"


    Ist schwierig

  • Nur zur Erklärung für meinen Smiley. Das strahlen über den Erfolg ist einfach süß.

    Es gibt aber auch Tage an denen sie einfach lospoltert und 2 Stufen auf einmal hochhechtet. Sie steht dann freudestrahlend oben: " Mama ich habs geschafft!"

    Ich finde es immer wieder bewundernswert mit welcher Selbstverständlichkeit unsere Hunde mit ihren Beeinträchtigungen umgehen.

    Auch wenn gerade unsere älteren Herrschaften an guten Tagen dazu neigen diese zu vergessen und sich wie kleine Kamikaze-Piloten verhalten.

    Erinnerungen sind kleine Sterne,

    die tröstend in das Dunkel unserer Trauer leuchten.

                                            (Antoine de Saint-Exupéry)

  • Trabbi sieht ja nun auch nicht mehr viel. Hell und Dunkel, das geht noch.

    Da er aber noch so einigermaßen hört, unterstütze ich ihn mit verbalen Orientierungshilfen. Die haben wir, seit er jung war, eingeübt.

    An bekannten Orten brauchts nur wenig Hilfe, auf fremden Wegen brauchts beidseits viel Konzentration.

    Trotzdem hat er sich auch schon mal das Kinn aufgeschlagen oder auch die Pfote geprellt. Manchmal ist es eben echt schwierig, den richtigen Zeitpunkt für ein Kommando zu finden....

  • Hach ja, ich hab es z.B .aufgegeben Valerie vor dem Bordstein zu warnen. (Bei mir ein kurzes "nach oben" mit der Leine, weil sie hört mich ja nicht mehr. Immer wenn ich das gemacht habe, kam sie aus dem Tritt und stolperte, alleine schafft sie es besser. Zwar auch nicht immer, aber öfter als mit meiner vermeintlichen Hilfe.

    Fällt schwer , .....

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    Ich bin traurig, Valerie wird immer unsicherer und oft auch sehr wackelig.

    Ich bin traurig, Valerie so zu sehen und ich bin auch traurig, weil uns dieses Problem sehr viel abverlangt und auch unsere Beziehung belastet.

    Wir können Valerie überhaupt nicht mehr alleine lassen und sind 24/7 an Valerie und somit mehr oder weniger, auch ans Haus gebunden. Zumindest immer einer von uns. Im Haus muss man dann aber auch direkt neben ihr sitzen, also auch frei im Haus bewegen, Duschen , Wäsche waschen, mal in den Garten, ist nur sehr eingeschränkt möglich.

    Ich bin echt Urlaubsreif und weiß nicht, ob der Urlaub stattfindet.

    Musste nur mal jammern.

  • Ich finde so schlecht läuft sie doch gar nicht.


    Valerie lebt vermutlich völlig- im hier und jetzt - und ist zufrieden.

    Für euch ist die Situation viel ,viel belastender.

    🙏

  • Ach, das tut mir wirklich leid. :troesten:

    Wannabe war zum Schluss ja auch blind und taub. Das war nicht leicht. Tagsüber ging das noch. Ich glaube, sie konnte noch etwas hell und dunkel unterscheiden. Aber nachts war das schön ein Problem. Da wurde ich von panische Geschrei wach. Sie stand vor der Wand und wusste nicht wie sie dort weg kommen sollte.

    Das war dann auch schon recht schnell der Punkt, wo ich die Reißleine gezogen habe. Diese Panik in ihrer Stimme und ihr Herzrasen, als ich sie "gerettet" habe, werde ich nicht vergessen.

    Erinnerungen sind kleine Sterne,

    die tröstend in das Dunkel unserer Trauer leuchten.

                                            (Antoine de Saint-Exupéry)

  • Ach, das tut mir wirklich leid. :troesten:

    Wannabe war zum Schluss ja auch blind und taub. Das war nicht leicht. Tagsüber ging das noch. Ich glaube, sie konnte noch etwas hell und dunkel unterscheiden. Aber nachts war das schön ein Problem. Da wurde ich von panische Geschrei wach. Sie stand vor der Wand und wusste nicht wie sie dort weg kommen sollte.

    Das war dann auch schon recht schnell der Punkt, wo ich die Reißleine gezogen habe. Diese Panik in ihrer Stimme und ihr Herzrasen, als ich sie "gerettet" habe, werde ich nicht vergessen.

    Das wäre für mich auch der Punkt.


    War bestimmt schlimm für dich 😔.

  • Wir sind ja auch gerade in der Situation der Altenhundepflege und ich kann absolut nachvollziehen dass man sich da mal ausheulen muss. Es belastet extrem und mein spontaner Kurzurlaub mit Kind und Ash hatte auch genau den Hintergrund dass ich Titobedingt an meiner Belastungsgrenze war. Und unfair dem Hund gegenüber werden möchte man ja auch nicht.

    Fühl dich einfach verstanden und gedrückt. Ratschläge kann man nicht geben außer vielleicht dass eine Miniauszeit tatsächlich hilft den Kopf mal wieder frei zu bekommen und durchatmen zu können.

    „Das Leben von Hunden ist zu kurz. Das ist eigentlich ihr einziger Fehler“ (Agnes Turnbull)

  • Ich hatte das mit Effie und Kissy.

    Aber tagsüber haben die viel geschlafen. Da gab es nicht so viele Probleme. Wir konnten sie auch alleine lassen, auch wenn das bei uns selten ist.

    Nachts war es mit beiden sehr anstrengend. Effie nahm die Küche auseinander auf der Suche nach Essbarem ( geschlossene Türen wurden nicht akzeptiert) und Kissy war - und wir damit auch - mit dem Drangwandern geschlagen. Das war nochmal schlimmer.


    Warum genau könnt ihr Valerie denn nicht mehr alleine lassen?

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